Unser blaues Wunder

Unser zweites großes Bauprojekt ist fertig! Der Altbau ist bezogen, eingerichtet und nur noch kleinste Bauarbeiten bleiben. Ziemlich im Zeitplan fanden im Januar große Umzüge von vier Menschen aus Berlin heraus nach Brandenburg statt. Okay, das Treppenhaus muss noch gestrichen werden und letzte Bäder sind erst im Juli fertig.


Der Altbau – ganz früher eine alte Bäckerei und von uns deshalb auch das Backhaus genannt – beherbergt nun unsere größte WG mit sieben Erwachsenen und drei Kindern. Im Erdgeschoss ist ein großer Veranstaltungsraum eingerichtet, den wir nach Corona dann auch tatsächlich nutzen können für Yoga- und Tangokurse, für Polittreffen, für Kinoabende und natürlich für unsere Hausplena. Neben der großen WG-Küche im Dachgeschoss, entsteht im Erdgeschoss außerdem eine zweite Küche zum Ausweichen mit Gästen und als Teeküche für das gemeinschaftliche Arbeitszzimmer.


Wie beim Strohhaus hatten wir Glück mit dem Bauprozess, größere Verzögerungen und Baustellenstillstände blieben uns erspart. Unser Motto vom ersten Haus bleibt: kein Baustopp, kein Burnout! Zum Beispiel waren wir beim Strohhaus wir mit dem Lehmputz zu weit in den Herbst und Winter geraten und mussten mit Diesel-Heißluftgeräten den Lehm trocknen, diesmal waren wir schneller. Spürbar war aber, dass Baukosten und Handwerker*innenmangel die Preise im Vergleich zu vor drei Jahren nach oben getrieben haben, fast hätten wir überhaupt keine Sanitärfirma gefunden.


Und wir haben aus unserem ersten Hausbau als Gruppe gelernt: unsere Eigenleistungen wurden noch einmal runtergeschraubt, denn anders als beim Strohbau haben inzwischen viele in der Gruppe Kinder. Das zweite Haus haben wir deshalb mit schnelleren Plenumsdiskussionen, mehr Vertrauen und Spielraum für unsere Bau-AG und etwas weniger auf dem Zahnfleisch gehend fertigbekommen. Es blieb immer noch genug zu tun, zum Beispiel die historischen Dielen auszubauen, zu säubern und neu zu verlegen.

Zwei Häuser – Ein Projekt


Jetzt sind wir also zwei Häuser und ein Projekt und geben uns erst einmal eine Baupause – zumindest für die ganz großen Projekte. Unsere Einweihungsparty fiel wegen Corona leider ins Wasser, das werden wir dann irgendwann als gigantische Post-Corona-Projektfeier nachholen. Wir sind stolz, inzwischen schon zwei Häuser gebaut zu haben und als Gruppe an diesen Bauten gewachsen und zu sein. Wir kommen an in Wustermark und auf unserem Gelände und freuen uns auf die nächsten Jahre miteinander.

Altbau Reloaded – die Sanierung

Seit dem Sommer arbeiten wir eifrig an der Sanierung vom Altbau. Innen hat er einen neuen Grundriss bekommen, damit sich zukünftig unsere Groß-WG darin wohlfühlt.

Außen erstrahlt er jetzt in seiner finalen Farbe. Die letzte Schicht Kalkputz trocknet gerade und das neue Dach hat seine Standfestigung schon in einigen Unwettern bewiesen. Unter dem Putz wärmen uns recycelte Jutesäcke. Diese wurden als fertige Dämmplatten zusätzlich von unserem Lieblings-Handwerker*innen-Kollektiv Hacke&Hobel auf der alten Fassade befestigt.

Nord-Seite Altbau

Hier die Nordseite vom Altbau. Sie hat ein paar zusätzliche Fenster bekommen, damit den Leuten, die vom Strohballenhaus in den Altbau ziehen, der Abschied nicht so schwer fällt. Auch die Südseite hat jetzt mehr Fenster. So werden die Zimmer mit dem neuen Grundriss noch wohlnlicher.

Im Keller werkelt weiter unsere Holzpelletheizung. Diese muss bald zeigen, ob sie Alt- und Neubau zusammen beheizen kann. Wir hoffen, dass Ende des Jahres der Einzug stattfinden kann.

Und es werde Strom … Solarstrom!

Neues Jahr, neue Pläne – und hin und wieder werden Dinge fertiggestellt. Das neueste Schmuckstück: eine dicke Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Scheune. Endlich können wir unseren eigenen Strom produzieren. Die Scheune streckt ihre riesige Schokoladenseite nach Süden,  direkt der Sonne ins Gesicht. Alles, was wir nicht selbst verbrauchen, wird ins Stromnetz eingespeist.

Photovoltaik-Anlage auf der Scheune
Ökostrom pur – volle Breitseite Solarpower

Ein Blick auf die inneren Werte. Der Wechselrichter zeigt die aktuelle Leistung: knapp 400 Watt.

Der Wechselrichter plaudert aus dem Nähkästchen

Leider nicht so rosig wie auf dem Bild oben: morgens an einem kalten, regnerischen Januartag. Nicht viel Leistung, dafür werden die Module mal schön sauber geregnet. Und für einen warmen Tee beim Schreiben dieses Artikels reicht es locker.

 

Nordscheunen-Update

Unsere Scheune hat diesen Spätsommer eine Rundum-Notfallkur bekommen, damit sie die nächsten Jahre noch gut übersteht und außerdem unser neues Photovoltaik-Dach unerschrocken tragen kann.

Die alten Biberschwänze wurden säuberlich archiviert – damit sie später auf einem anderen Gebäude in neuem Glanz erstrahlen mögen.

Das Dach ist nun neu gedeckt, Risse in den Mauern wurden verputzt, viele der alten Kappendecken mussten rausgeklopft und mit Holzbalken verstrebt werden. Einige der alten Dachbalken haben sich als morsch erwiesen und wurden ausgetauscht.

Das Dach ist skelettiert und bereit für die neue Dachhaut

Außerdem hat die Scheune dort, wo man gefährlich von Stahlträger zu Stahlträger hüpfen musste, um nicht auf die maroden Kappendecken zu treten und durchzubrechen, nun einen wunderschönen Holzboden!

Spiderman und sein Dachdecker-Kollege decken die neuen Dachpfannen

Noch dient er uns primär als Stauraum, der im Haus kaum vorhanden ist. Im Sommer kommen hoffentlich weitere schöne Nutzungsmöglichkeiten dazu. Tanzen, Yoga, Kurse… Den Hofcharakter des Grundstücks zu erhalten muss allerdings auch irgendwie finanziell gestemmt werden, wir sind also weiterhin über Direktkredite von Freunden, Familie und sonstigen Unterstützern dankbar. Und freuen uns derweil über das bald angeschlossene Solardach auf unserer schönen Scheune!

Hochzeit

Diesen August haben wir uns im Hochzeitsfeiern probiert und befinden: das geht ganz phantastisch!

Übrig sind wunderschöne Fotos und Erinnerungen, u.a. auch an die hüpf- und tanzbeinanimierende Band „Berlin Brass Caravan“. Ebenso erhalten bleibt uns eine tolle Tanz- und Spielbühne, die auf ihren Einsatz beim nächsten Sommerfest wartet.

Ein riesengroßes Dankeschön geht an alle Mitbewohner*innen und sonstigen Familienmitglieder für die wunderbare Deko, unglaubliche Unterstützung, die Tanzfreude und so viel mehr!

SummSummSumm… Bienchen summ herum!

Ein befreundeter Imker, nennen wir ihn Thomas, meinte zu uns: toller Standort hier! Voll-Sonne und windschattig, Wiesen, Sträuche und Obstbäume drum herum, der Kanal und die großen Trachten wie Raps und Linde in der Nähe… alles Gute beisammen, was Bienen glücklich macht.

erste verdeckelte Waben im Rähmchen und es sollten noch viele weitere folgen

Nachdem wir bereits die ersten Bienen- und Schmetterlingssträucher vor 2-3 Jahren gepflanzt hatten und wir unseren Garten versuchen hier und da nach Permakulturprinzipien schön vielfältig zu gestalten, waren wir natürlich super stolz und glücklich über diese Aussage… und hoch motiviert! Kurzerhand haben sich 3-4 Leute aus der Gruppe gefunden, die das Imkern lernen wollten.
Im Frühling hielten dann drei Völker von Thomas Einzug in unseren Garten – eines davon in einen Schaukasten, damit alle was zum Gucken haben. Sau spannend!!!
Ab da an ging auch schon die Saison los und so gab es seitdem jedes Wochenende eine neue Praxis-Lehreinheit von Thomas zu Themen wie Weiselzellen, Schwarmtriebigkeit, Ablegerbildung, Varoamilben und Ameisensäure. Meist gut geschützt mit Smoker und Schutzhüten/-jacken waren wir mittendrin im Geschehen und vorfreudig auf den ersten eigenen Honig.

die Schubkarren stehen bereit, um die schweren Honig-beladenen Rähmchen zur Schleuder zu fahren

Schon der erste Schleudergang im Mai brachte satte 40 kg des zwartgelben Goldes und allerhand Muckis und Schweißperlen auf der Stirn, weil die vollen Waben alle per Hand geschleudert wurden. Jaaa, wenn schon den Bienen Futter klauen, dann wenigsten wohlverdient 😉
Und er schmeckt leeeecker, unser Honig! Und der Garten freut sich sowieso…

Südscheune – Bye, Bye!

Sie hat uns immer an die Vergänglichkeit menschlicher Schaffenskraft erinnert und war ein imposantes Beispiel, wie die Natur ohne Baunantrag und Architekt*in unserer Südscheune ein Gründacht gebaut hat. Doch unser Entschluss stand fest … alles hat ein Ende!

Aus dem Hinterhalt schlich sich ein Mini-Bagger heran, der sein zerstörerisches Werk im Innern der Scheune begann. Sein großer Bruder kam später hinzu und hollte sich die Fillet-Stücken heraus: die alten Stahlträger werden wieder eingeschmolzen.

Dann ging alles ganz schnell…

Mittlerweile erinnern nur noch ein paar sauber abgeputzte Steine auf Paletten an die Existenz der Scheune. Die haben wir für spätere Bauprojekte zur Seite gelegt. Recycling ist wichtig! 😉

Sommerfest

Zwei Monate sind seit dem Einzug vergangen. Wir haben unsere Zimmer eingerichtet und die Küchen laufen. Jetzt freuen wir uns auf eine Sommerpause, in der wir uns Bautags- und Plenumsfrei spendieren. Vorher wollten wir uns und das gute Leben aber noch einmal feiern: mit unserem bald traditionellen Sommerfest! 🙂

Zwischen Scheunen und Neubau, haben wir ein ganzes Wochenende im Juli 2017 mit Freund*innen und Gästen verbracht. Unsere ganze Straße war eingeladen und am Ende haben wir so 300 Erwachsene und ziemlich unüberschaubar viele Kinder gezählt. Samstag tanzten wir zu den „Mopeds“, unserer aktuellen Lieblingslokalband aus Wustermark. Davor zum Kaffee und Kuchen „Love Aint Just Yesterday“ mit Nachmittagsjazz und danach DJane in der Nordscheune. Wir freuen uns, dass so viele Menschen auch noch zum gemütlichen Sonntagsfrühstück geblieben sind. Auch wenn wir ihnen unserem workaholic-Modus praktisch die halbvolle Kaffeetasse aus der Hand weggeräumt haben. 🙂 Das nächste wurzeln & wirken Festival findet dann in zwei Jahren statt, dazwischen lassen wir es etwas ruhiger und kleiner angehen.


Vorbereitungsplenum: Alle Projektbewohner*innen beim letzten Orgaplenum am Morgen des Festes.


Sommerfestwegweiser und Neubau: Selbstgebauter Wegweiser vor der Bühne.

Sommerfest Himmel: In diese Richtung liegt Berlin, aber wir finden es schön hier.

Beleuchteter Weg: Im Hintergrund die beleuchtete Nordscheune, links der Neubau. Pavillon: Hier nicht zu sehen, die drei Hängematten in der beleuchteten Weide.


Draufsicht: Fast alle sind im Bett, nur am Lagerfeuer wird noch gesungen.


Morgen Danach: Fünf dieser 10L-Kannen Kaffee gingen am Morgen danach weg.

Zeltwiese: Auf den unteren 5000m² des Grundstückes, die Zeltwiese.


Leere Schüsseln: Wenn 300 Menschen selbstgemachtes Essen mitbringen: großartig. Danke für die Tupperdosen! 😉

Fertig! Einzug ins Strohballenhaus!

Im Mai 2017 haben wir unser Strohballenhaus bezogen. Nach einem anstrengenden Endspurt aus Dielen legen, ölen und polieren, Decken & Wände malern und selbstgemachtem Lehmputz auf die Kalksteinwände ziehen, hat Wustermark nun 16 neue Mitbürger*innen. In der Zeit vor dem Einzug haben wir uns bereits in WGs zusammen gefunden und genießen nun ein Haus, das mit Gemeinschaft im Kopf geplant wurde. Alle Zimmer haben ihren eigenen Charme, für die Ruheliebenden das Dachgeschoss, für die lebenslustig Lauten das Zimmer neben der Küche. Große Gemeinschaftswohnbereiche werden uns Begegnungen am Frühstückstisch ebenso ermöglichen wie ausgedehnte Wohnprojektplena. Wir sind gespannt auf die nächsten Jahre und Jahrzehnte und danken allen Menschen, die uns professionell und ideell bei diesem Vorhaben unterstützt haben!

Schleifen, Ölen, Polieren. Der Dielenboden ist mit  ökologischem Hartöl präpariert

Die Einbauküchen sind Bastelarbeit, nur Profis könnten es besser

Die tragenden Kalksteinwände werden liebevoll mit Lehm oder Kalkschlemme veredelt

Sogar die weißen Wände sind mit Lehmfarbe gestrichen

Die letzten Monate in Bildern

Viel ist passiert seit dem letzten Eintrag. Die geringe Frequenz an Homepage-Aktualisierungen war natürlich umgekehrt proportional zu unserer Bautätigkeit. Was ist seit dem Stroheinbau geschehen?

Mehr als nur Matsch - Lehm als ökologischer Baustoff bei der Verarbeitung
Mehr als nur Matsch – Lehm als ökologischer Baustoff bei der Verarbeitung

Da trockenes Stroh und feuchter Regen auf Dauer nicht harmonisieren, haben wir mit der Hilfe von vielen HerferInnen die Außenwände in feinsten brandenburgischen Lehm verpackt. Die Fassade hat noch einen Regenschutz aus Kalkputz spendiert bekommen. Lehmwände sollen für ein super Raumklima sorgen, da sie den Feuchtigkeitsgehalt regulieren helfen. Und wer auf Erdtöne steht, spart sich auch noch den Farbanstrich.

15.000 Steine durchs Fenster
15.000 Steine durchs Fenster

Wie wir alle aus gut informierten Quellen wissen, können Häuser aus Stroh leicht weggepustet werden. Da haben wir natürlich vorgesorgt und alle Gebäudedecken mit Pflastersteinen ausgelegt. Damit bringt das Haus knapp 41 Tonnen an zusätzlichem Kampfgewicht auf die Waage. Eine stattliche Herausforderung für jede Wolfslunge. Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Aktion ist sonst noch die bessere Dämmung von Trittschall, da die Decken durch die größere Masse weniger schnell in Schwingung geraten.

Zwei der vier Schokoladenseiten des Hauses

Dach und Fassade sind fertiggestellt. Im schönsten Wintersonnenschein pflastern unsere Lieblings-Handwerker*Innen von Hacke&Hobel die Einfahrt, bauen Parkplätze und buddeln sich mit ihrem Bagger durch die Erdschichten der vergangenen Jahrhunderte. Das ergab für uns spannende Erkenntnisse, was in Wustermark unter der Erde so abgeht oder eher abging. Zudem sind wir jetzt an das Abwassersystem angeschlossen – ein wahrlich prächtiger Moment, zum ersten Mal die Sanitär-Infrastruktur auf Herz und Nieren zu testen 😉